Rasanter Endspurt bringt TVP nichts ein
Die Enttäuschung war mal wieder riesengroß, und die Befürchtung, die Handballer des TV Petterweil werden im fünften Jahr ihrer RegionalligaZugehörigkeit womöglich vor ihrer schwierigsten Saison stehen, hat konkrete Formen angenommen: Auch beim bis dato ebenfalls noch sieglosen Liga-Neuling TV Hermsdorf gelang es der Mannschaft von TVP-Coach Gebhard Fink am Samstagabend nämlich nicht, im fünften Pflichtspiel den so dringend benötigten ersten Meisterschafts-Erfolg an Land zu ziehen, zumal die gastgebenden Thüringer in der Sporthalle an der W.-Seelenbinder-Straße nach einer vorher weit deutlicheren Führung knapp mit 32:31 (21:13) die Oberhand behielten. Für den ranghöchsten Wetterauer Handball-Verein, der sich mit nunmehr 1:9 Punkten im Tabellenkeller bis auf weiteres einen Stammplatz gesichert hat, bedeutet dies: Die eigenen Vorgaben, in den Regionalliga-Partien Nummer eins bis fünf gegen das als nicht sonderlich stark eingestufte Aufsteiger-Trio Vallendar, Hochdorf und Hermsdorf sowie aus den Duellen gegen Irmenach und Mülheim-Kärlich sechs Zähler zu holen, erwiesen sich als bloßes Wunschdenken.
Und weil den Mannen im gelb-schwarzen Dress in der dritthöchsten deutschen Handball-Liga die Matches gegen die so genannten »dicken Brocken« erst noch ins Haus stehen, dürften die TVP-Aktien, also die Aussicht auf Zählbares, kaum steigen.
»Was wir in der Hermsdorfer Sporthalle in der ersten Hälfte geboten haben, kann man nur als desolat bezeichnen«, ging Gebhard Fink mit seinen Leuten hart ins Gericht. Insbesondere in der Abwehr sei, so der Petterweiler Übungsleiter, nichts zusammen gelaufen: »Keine Ordnung, keine Aggressivität sowie Schiedsrichter, die uns mit nicht nachvollziehbaren Entscheidungen des öfteren aus dem Rhythmus gebracht haben. Und unsere Keeper hatten auch nicht ihren besten Tag erwischt.« Ein Hoffnungsschimmer: Trotz aller Fahrlässigkeit, die dem Gastgeber vor rund 600 Zuschauern bis zur 38. Minute ein Zehn-Tore-Polster (24:14) ermöglichte, steckten die ohne den beruflich verhinderten Kreisläufer Uwe Ruhrmann angereisten Petterweiler Cracks nie auf, fanden mit einem rasanten Endspurt ins Spiel zurück und hätten die 300 Kilometer lange Rückfahrt um ein Haar mit einem, wenn nicht sogar mit beiden Punkten im Gepäck angetreten.
Björn Ehmer traf nämlich zwei Minuten vor dem Abpfiff zum erstmaligen Gleichstand ins Schwarze (31:31), und Petterweils bester Spieler, Jörn Olbrich, hätte die Fink-Sieben mit dem nächsten Angriff gar nach vorne bringen können. Doch Olbrichs Tempogegenstoß brachte genauso wenig den gewünschten Erfolg, wie nach der erneuten Hermsdorfer Führung zum 32:31 Pierre D´Avetas Siebenmeter in allerletzter Sekunde.
Der Petterweiler Spielmacher, der vorher in sieben Fällen sicher verwandelt hatte, scheiterte ausgerechnet beim achten und letzten Versuch an Hermsdorfs Keeper Liebelt - die grandiose Aufholjagd hatte sich als vergebens erwiesen. Was den Gästen blieb, war Frust und nach Gebhard Finks Dafürhalten die Erkenntnis, dass man ab sofort im Training die Zügel straffer ziehen müsse: »Denn Regionalliga-Handball ist eine knallharte Sache. Das haben einige unserer Spieler wohl immer noch nicht begriffen.«
TV Hermsdorf: Liebelt, Passarge; Bergner (8/4), Michael Schneider, Riedel (4), Kietzmann (2), Parybyk; Geisenhainer (3), Herzig (2), Nowak, Heilwagen (8), Klecha (5), Kühne, Herling.
TV Petterweil: Martin Malik, Oliver Malkmus; Jörn Olbrich (9), Pierre D´Aveta (10/7), Felix Schneider (1), Dirk Pezold (6), Björn Ehmer (1), Fabian Neumeier, Heiko Trinczek (4), Dennis Baier, Rene Lenhardt, Hans Self, Andre Mannsfeld.
Schiedsrichter: Pioro/Wilck (Zimmern)
Zeitstrafen: TVH 10 - TVP 7
Siebenmeter: TVH 4/4 - TVP 8/7
Zuschauer: 600 Uwe Born
Wetterauer Zeitung vom Montag, 16. Oktober 2006
Im PDF-Format anzeigen - Direktlink